Griechenland ( Foto: google) |
Ein Land, wo die Sterne doppelt so hell
funkeln, der Mond die Nacht in seichtes Silber taucht und die Sonne Bergketten
erstrahlen, das Meer glitzern und Palmen, Zitronen- und Olivenbäume in dunkles
Rot tauchen lässt.
Ein Land, wo sich in der Dämmerung die
Laternen der Promenade im Hafenbecken spiegeln, die Lichter ferner Städte am
Horizont wabern und durch dessen wilde Berglandschaft Schafe und Ziegen
getrieben werden.
Ein Land voller Fülle und Träume.
In staubigen, verwinkelten Gassen werden von
alten Männern und Frauen schwer beladene Maultiere geführt, im Schatten eines
Affenbrotbaumes versinkt ein Esel mit seinem Kopf in einer rostigen Tonne
voller Heu. Streunende Katzen streifen durch die Hinterhöfe, Hühner werfen
dunkle Schatten auf weiß gekalkte Mauern.
Ein Alter sitzt auf einem Stuhl an die
Hauswand gelehnt auf der Straße, folgt dem Treiben im Hafen und lässt die
Perlen seiner Gebetskette langsam durch seine knochigen Finger gleiten.
Ein kleines Fischerboot nähert sich dem Hafen.
Geschäftig entwirren Fischer ihre Netze und legen diese zum trocknen auf die
Promenade.
Auf dem Markt übertönen sich die Händler
gegenseitig im Anbieten ihrer Ware mit ihren lauten Stimmen. Planen und große
Sonnenschirme sollen vor der Hitze schützen. Am Rande des Markts tummeln sich
die Zigeuner auf Ladeflächen von alten, klapprigen Pick Up’s. Eine Frau, deren
Haut von staubigem Braun ist, sitzt der Sonne gnadenlos ausgeliefert auf einer
Decke, den Rücken an einen Wagen gelehnt am Boden. Zwischen den Falten ihres
fransigen Rocks liegt ein Säugling in Tücher gewickelt. Die bunten Farben ihres
zerschlissenen Oberteils werden durch den tristen Anblick getrübt. Schuhe hat
sie keine.
Ein Wagen bis obenhin beladen mit
zusammengerollten Teppichen schleicht mit platten Reifen am Wasser entlang.
Durch ein Megaphon preist der Albaner seine Ware an. Hinten, zwischen den
Teppichen sitzt ein Junge von etwa acht Jahren. Zugleich läuft eine Luxusyacht
in den Hafen ein.
Olivenhaine und Orangenplantagen säumen die
Landstraße. Ein Landwirt stapelt bunte Plastikkisten, die zur Ernte dienen. Der
Geruch von Benzin, Staub und Öl beißt in der Nase. Etwa 30 Meter weiter ist
eine Tankstelle. Bereits 50 Meter weiter die nächste. In einer Kurve, im
Schatten der Pefkas ist eine Holzhütte. Vergeblich wartet der Inhaber auf
haltende Autos. Nur wenige kaufen das frische Obst und Gemüse.
Aus einem Straßen-Cafe plärrt griechische
Musik. Kleine Vögel hüpfen zwischen den Stuhlbeinen umher und picken nach
Krümeln. Weinranken hängen mit vollen Trauben von der Pergola, welche die
Terrasse des Cafes überdacht. Ein Roller saust vorbei und wirbelt Staub auf.
Die Vögel fliegen auf und lassen sich wieder nieder.
Ein Kiesstrand. Zwei Weiden stehen sich
gegenüber. Eine neigt sich der Anderen zu, sie bilden einen Torbogen. Sieht man
hindurch, blickt man auf kalkig, vom Wasser rund geschliffene Kiessteine, auf
das Wasser selbst und schließlich auf eine Insel. Die in warmes Licht
getauchten Bergketten im Hintergrund verschwinden im Nebel. Nur die
scharfkantigen Konturen heben sich noch deutlich hervor. Der Sonnenball
verschwindet immer mehr, hinterleuchtet mit letzter Kraft die Berge, strahlt
zarte Wölkchen an, die sich zur Dämmerung gesammelt hatten. Eine Flut von Rot,
Orange und Lila-Lichtstrahlen bricht sich auf dem Wasser. Alte Holzläden,
dessen Farbe von der salzigen Luft längst verschlungen worden war, schließen
sich. Lichter gehen an. Ein Gewebe aus funkelnden Sternen zeiht sich über den
Himmel. Der Mond bleibt von der Dunkelheit verschluckt.
Raja Kraus
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