Der
Kommentar einer Kommilitonin machte mich kürzlich stutzig. Sie unterhielt sich
mit einer Freundin über das Thema des Fleisch-Essens und dabei kamen sie
unweigerlich auf Vegetarier und Veganer zu sprechen. Ich lauschte interessiert,
da ich selbst vegetarisch lebe, mischte mich jedoch nicht ein. Beide kamen
einstimmig zu dem Ergebnis, dass die doch spinnen, die Vegetarier, von den
Veganern natürlich ganz zu schweigen. Natürlich ärgerte ich mich über diese
Ansichtsweise, doch jeder sollte tun, was er für richtig hält.
Wirklich
nachdenklich gemacht hat mich aber die folgende Aussage: „Also ganz ehrlich,
ich esse Fleisch trotzdem weiter. Nur weil ich auf Fleisch verzichte, wird die
Welt auch nicht besser.“
Dass ich
das Gespräch mitbekam, ist nun schon über eine Woche her. Trotzdem lässt es
mich nicht los. Es geht doch gerade darum, dass wir als Konsumenten als erstes
ein Signal geben müssen, dort wo die Politik es nicht tut. Und natürlich, wenn
ein einziger Mensch auf dieser Welt auf den (Billig-)Fleischkonsum verzichtet,
wird sich nicht viel ändern. Aber die Zahl der vegetarisch und vegan lebenden
Menschen nimmt immer mehr zu. Allein in Deutschland sind es inzwischen rund
sieben Millionen Vegetarier und 700.000 Veganer.
Foto: google |
Ich
glaube, die Ansicht der Kommilitonin ist die Ansicht vieler Menschen. Mir
persönlich geht es nicht darum, Leute zu bekehren und ihnen meine Einstellung
aufzudrängen. Meiner Meinung nach, muss es jeder mit sich selbst ausmachen.
Wichtig finde ich jedoch, dass jeder sein eigenes Konsumverhalten hinterfragt.
Ich fordere nicht, dass auf den Fleischkonsum gänzlich verzichtet wird, sondern
das man sich bewusst macht woher das Fleisch kommt. Wenn ein Steak aus dem
Supermarkt 1,70 € im Angebot kostet, dann kann da etwas nicht ganz richtig
sein. Dabei geht es nicht nur um das Thema der artgerechten Haltung, sondern
vor allem auch um Transportwege, Niedriglöhne, monokulturellen Anbau von Futtermitteln, Holz-
und Brandwaldrohdung, Kühlung, Lagerung. Die Zusammenhänge und Auswirkungen
sind endlos. Auch wenn es für Tierliebhaber ein Graus bleibt: lieber sollte
man, wenn man auf Fleisch nicht verzichten mag, zum Bauern um die Ecke fahren
als zum Discounter zu rennen. Und je mehr Menschen das tun, desto eher wird die
Industrie merken, was die Verbraucher wollen – nämlich gute Qualität möglichst
regional. Das Problem dabei ist jedoch, dass uns diese Qualität und alles was
mit ihr zusammen hängt etwas wert sein müssen.
Ich
persönlich gehe nur noch in den Bio-Markt einkaufen. Und selbst dort muss man
kritisch bleiben und den Apfel aus Deutschland anstatt dem aus der Ukraine
wählen. Im Schnitt zahle ich schätzungsweise ein Drittel mehr als im
gewöhnlichen Supermarkt, doch mir ist es das wert. Für gute Qualität, zahle ich
gerne mehr. Und das ist auch als „armer Student“ möglich.
Bioladen |
Der
Bio-Markt bietet alles, was man an Nahrungs- und Genussmitteln braucht. Dennoch
ist das Sortiment nicht überladen, der Markt bleibt übersichtlich gestaltet.
Das Einkaufen macht dort Spaß, keine Hektik, kein Stress, die anderen Einkäufer
sind Gleichgesinnte.
Und dann
kam der Schock. Vor zwei Tagen trieb es mich wegen einer Flasche Wasser auf dem
Weg in einen riesigen Billig-Discounter. Vor lauter Regalen, Waren und
„Tiefstpreis“-Schildern, wusste ich gar nicht, wohin ich mich wenden sollte.
Doch das war gar nicht mein eigentliches Problem. Ich sah all die Menschen, die
sich in den Gängen und an mehreren Kassen drängten, und musste auf einmal
wieder an die Perspektive der Kommilitonin denken: nur weil ich mich ändere,
wird sich die Welt nicht ändern. Und plötzlich verstand ich sie. Natürlich. Wer
diese Welt des Billigkonsums gewohnt ist und sich zwischen den meterhohen
Regalbauten mit anderen um das letzte Sonderangebot streitet, der sieht sich
bestätigt. Es ist die Mehrheit, es sind die Massen, die dieses Konsumverhalten
entgegen aller Nachhaltigkeitsgedanken unterstützen. Jemand, der sich mit dem
Thema nicht weiter auseinandersetzt, wird nichts Komisches daran finden,
schließlich sind es ja außer ihm auch alle anderen, die sich entsprechend
verhalten.
Ja,
vielleicht lebe ich in meiner kleinen, heilen Bio-Welt am „Rande der
Gesellschaft“. Vielleicht ist es ein stückweit naiv, zu glauben, es ändere sich
etwas aufgrund meines Handelns. Vielleicht ist es nur ein Tropfen auf dem
heißen Stein. Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Letztendlich tragen wir
die Verantwortung (und in weiterer Konsequenz auch die Auswirkungen) für unser
Handeln. Und sei es, ob für ein eigenes besseres Gewissen oder ob kollektiv
auch für ein Signal an die Lebensmittelindustrie: ich bleibe überzeugt davon,
dass die Veränderung im Bewusstsein jedes Einzelnen beginnt.
Raja Kraus
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen